Lebensretter: Bier
ein Artikel von Lukas Jonas Lier © vom 18.06.2025
Die Geschichte dieser Rettungsaktion begann
schon um 1300 n. Chr. mit dem Bau eines
gewaltigen Stollen- und Kellersystemes
urprünglich einzig und allein zur Kühlung von
Bier. Es handelt sich hier um die historischen
Felsengänge der Stadt Nürnberg. Diese reichen
heute bis zu 20 Meter in die Tiefe. Die
Temperatur belief sich im Schnitt auf 9° Celsius
und konnte im Winter mittels sogenannter
Kühldome stockwerkübergreifend mit Natureis
aus den Stadt umgebenen Weihern zusätzlich
abgesenkt werden.
Das Wasser der Pegnitz, welche Nürnberg
durchfließt eignete sich zur damligen Zeit
weder zum brauen von Bier, noch zu dessen
Kühlung, da der Verschmutzungsgrad sehr
hoch war. Dies war sicherlich auch ein Grund
weshalb in großen Städten im Mittelalter
zumeist mehr Bier getrunken wurde als „Trinkwasser“. Dazu sei allerdings auch gesagt,
dass die Alkoholmenge wesentlich geringer war, als sie es heute ist.
Hauptbestandteil des früheren Biersortimentes war das bisweilen fast in Vergessenheit
geratene Rotbier, welches 1980 durch die Hausbrauerei Altstadtdorf wieder erfolgreich
zumindest in der Stadt Nürnberg zu neuem Leben erweckt wurde.
Zunächst unterkellerte man nur eine Etage, doch mit der Entwicklung und durch einen
Erlass der Stadt Nürnberg vom November 1380 der besagte, dass Bierbrauer und
Weinhändler verpflichtet waren, Keller von einer Größe von mindestens 15
Quadratmetern anzugelegen hatten, entwickelte sich der Bau stets weiter. Diese
Anordnung -so sagt der Nürnberger – war wohl der Vorläufer für das später erlassene
Reinheitsgebot von 1516. Sodass sich die Felsengänge heute über vier Etagen und über
25.000 Quadratmeter erstreckt. Diese Sandsteinstollen wurden bis ins 19 Jahrhundert in
Handarbeit gegraben.
Doch wie kann ein derat historisches Bauwerk zum Lebensretter werden?
Nürnberg war zur Zeit des dritten Reiches ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt,
Industriestandort und Stadt der Reichparteitage. Dies ist heute noch unweigerlich an
Bauten wie dem Reichparteitaggelände zu erkennen. Wer sich dies schon einmal ansehen
konnte -heute das Dokumentationszentrum Reichsparteitaggelände- fühlt sich durch die
Imensität der Bauten und Flächen fast erschlagen. Nürnberg war also nicht nur
Wohnstadt sondern auch ein Dorn im Auge der Allierten. Mit ungefähr 22 schweren und
mittelschweren Luftangriffen richteten die Royal Air Force, sowie die United States Army
Air Force schwerste Schäden an. Der wohl schlimmste Schlag gegen die Nürnberger war
der 02. Januar 1945: 521 Bomber der Royal Air Force warfen innerhalb von dreisig
Minuten ca. 6000 Sprengbomben und ca. eine Millionen Brandbomben ab. Laut der „Air
Bombing Directive“ (Großbritanien) waren damals über 1800 Tote und weitere 100000
Obdachlose zu beklagen. Nürnberg nimmt leider einen hohen Platz unter den
schwerstzerstörtesten Städte Deutschlands ein.
Zum Schutz der Bürgerinnen und Büger, sowie die Fluchtmöglichkeiten zu verbessern
wurden viele einzelne Keller miteinander verbunden. Um einen noch höheren Schutz zu
gewährleisten füllte man viele der bereits im 14 Jahrhundert angelegten Be- und
Entlüftungsgänge. Dies stellte sich wesentlich später als Problem heraus und bedingte
einige nachträgliche Baumaßnahmen. Die Felsenkeller, einst zum Gären und
aufbewahren für Bier und Wein retteten somit im zweiten Weltkrieg ca. 15000 – 20000
Menschen das Leben in dem Sie als Luftschutzbunker ihren Dienst erbrachten.
Schätzungen zu folge waren es doppelt so viele. Somit hatte die Stadt trotz der
verheerenden Angriffe nur eine „geringe“ Zahl an Todesopfern zu beklagen.
Sollten Sie Nürnberg einmal besuchen empfiehlt es sich eine Führung durch die
historischen Felsengänge zu buchen und im Anschluss ein Rotbier zu trinken. Und
vielleicht hören Sie nach einem herzhaften „Prost“ auch den Satz „Bier hat uns des Leben
geredded!“.
Quellen: Bild: www.historische-felsengaenge.de | Info: www.historische-felsengaenge.de | Inhalt Führung historische Felsengänge
Nürnberg | www.wikipedia.de
